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Aktuelle Nachrichten
22.02.12

Aktuelle News:

Was tun mit den Geistern, die wir riefen?
Die Handhabung der Regression in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie
Vortrag und KTS mit Dr. med. Birgitta Rüth-Behr, Hamburg
Vortrag am Freitag, 24.02.2012 um 19.30 Uhr bis 21.00 Uhr und
Kasuistisch-technisches Seminar am Samstag, 25.02.2012, 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr
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Psychoanalytische Frühjahrsakademie 19.-23. März 2012 in Düsseldorf

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Was ist Psychoanalyse?

Psychoanalyse ist die Wissenschaft von unbewussten Vorgängen im Seelenleben.
Psychoanalyse ist aber auch eine psychotherapeutische Methode, eine klinisch-psychologische Theorie und eine darauf aufbauende allgemeine psychologische Theorie.

Jeder hat wahrscheinlich schon einmal Erfahrung mit unbewussten seelischen Vorgängen gemacht: Man hat z.B. einen Namen vergessen und versucht, sich daran zu erinnern. Obwohl man genau weiss, dass man den Namen weiss, fällt er einem nicht ein. Plötzlich, nachdem man schon längst an etwas anderes denkt, ist die Erinnerung wieder da. Offensichtlich haben innere Prozesse ausserhalb des Bewusstseins weiter daran gearbeitet, die Erinnerung wiederzufinden.

Oft geht bei unbewussten Vorgängen aber nicht nur um ein harmloses Vergessen von Namen. Unbewusste Prozesse sind oft auch für die Entstehung seelischer und psychosomatischer Störungen und Erkrankungen verantwortlich.

Psychoanalyse beschäftigt sich mit diesen Störungen, den ihnen zugrundeliegenden Konflikten und deren unbewusster Verarbeitung mittels psychischer Abwehrmechanismen. Sie beschäftigt sich mit der aktuellen Entstehung solcher Konflikte und ihrer Verwurzelung in der Kind-Eltern-Beziehung.

Psychoanalyse behandelt aber nicht nur Entstehung und Behandlung psychischer Störungen. Psychoanalytische Theorie umfasst auch Bereiche der Emotionspsychologie, der Entwicklungspsychologie, und der Sozial- und Gedächtnispsychologie. Psychoanalytische Theorien können über die Psychologie hinaus von Interesse sein für pädagogische Fragestellungen, für Literatur- und Kunstinterpretation, für Mentalitätsgeschichte, für die Mikro- und Kultursoziologie, die Ethnologie und Gebiete der Rechtsanwendung.

Der Begriff "Psychoanalyse" geht auf Sigmund Freud zurück, der seine neue Behandlungsmethode erstmals 1896 als Psychoanalyse bezeichnete. Seine Definition lautete: "Psychoanalyse ist der Name 1. eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorgänge, welche sonst kaum zugänglich sind; 2. einer Behandlungsmethode neurotischer Störungen, die sich auf diese Untersuchung gründet; 3. eine Reihe von psychologischen, auf solchem Wege gewonnenen Einsichten, die allmählich zu einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zusammenwachsen."


Psychoanalyse geht als Konflikttheorie von widerstreitenden Kräften in der Persönlichkeit aus. Das Ziel ihrer Behandlungsmethode ist es, dem Patienten bei der Suche nach einer persönlichen Kontinuität zu unterstützen und bei dem Versuch, für sich selbst geeignete Lösungen seiner inneren Konflikte zu finden. Dazu gehört auch, sich die eigene, unbewusst gewordene Lebensgeschichte bewusst zu machen und (wieder) anzueignen. Ziel ist nicht die Entwicklung einer "harmonischen" Persönlichkeit oder vordergründiger Angepasstheit. Die Psychoanalyse bietet dem einzelnen Menschen vielmehr eine Methode an, seine unbewussten Motive selbst zu erforschen und abgespaltene und abgewiesene Teile seines Selbst zu integrieren. Von abgespaltenen und abgewiesenen Teilen des eigenen Selbst fühlen Menschen sich fremdbestimmt. Insofern geht es der Psychoanalyse um eine Befreiung von verinnerlichten Fremdbestimmungen, die Ursachen für psychische Störungen und damit verbundene Symptome sind.

Psychoanalytikern wurde manchmal der Vorwurf gemacht, ihre Behandlungsmethoden und ihre Theorien hätten mehr mit Glauben als mit Wissenschaft zu tun. Tatsächlich haben Psychoanalytiker aber keine Glaubenssätze oder Wahrheiten zu verkünden. Es geht ihnen vielmehr darum, dem Subjekt einen Raum und Bedingungen für eine authentische und wahrhaftige Kommunikation zu schaffen. Die Fähigkeit dazu basiert auf einem bewussten und selbstverantwortlichen Denken, das sich aus den emotionalen Erfahrungen unserer Kindheit heraus entwickelt. Denn Triebe, Emotionen und ihre Schicksale bestimmen den seelisch-geistigen Wachstumsprozess des Menschen. Sie bestimmen sein Fähigkeit zu geistiger Wachheit, Neugier und Kreativität ebenso wie sein Erleben von Wirklichkeit und Lebendigkeit.

Unbewusste Konflikte sind oftmals Folge von Lebenserfahrungen, die als zu schmerzlich und deshalb als bedrohlich oder gar traumatisch erlebt wurden. Belastende emotionale Erfahrungen nehmen beispielsweise dann eine traumatische Qualität an, wenn die wichtigen Bezugspersonen einem Kind in seinen ersten Lebensjahren nicht die notwendige Zuverlässigkeit und emotional befriedigende Sicherheit anbieten. Denn nur in einer hinreichend positiv erlebten Beziehung kann ein Kind die in seiner Entwicklung unvermeidlichen Erfahrungen von Schmerz, Haß, Abhängigkeit, Angst und Schuld, Neid und Eifersucht, Frustration und Verlust ertragen lernen. Wenn dies nicht gelingt, ist die Entwicklung der kindlichen Psyche umfassend gefährdet. Wenn negative emotionale Erfahrungen nicht verarbeitet und integriert werden können, werden sie zu einem Trauma und behindern dann erheblich die gesamte seelische Entwicklung. Mit den Folgen hat die Psychoanalyse als Krankenbehandlung zu tun, aber auch andere Humanwissenschaften: so die Medizin mit den psychosomatischen Erkrankungen, die Pädagogik mit Verhaltens- und Lernstörungen, die Psychiatrie mit schweren psychischen Defekten, aber auch die Gesellschaft insgesamt. Zum Beispiel können enttäuschte Heilserwartungen in Fremdenhass umschlagen und abgelehnte Selbstanteile mittels Projektionen anderen zugeschrieben und dort bekämpft werden.

Emotionale Aktivität ist für den Menschen eine Herausforderung und oft mit Angst verbunden, der Angst vor dem Unbekannten im anderen und in uns selbst. Die Psychoanalyse kann dem einzelnen Menschen helfen, sich dieser Herausforderung neu zu stellen. Die Befreiung des Erlebens und Denkens in einer psychoanalytischen Behandlung erwächst auf dem Boden eines befreienden, dabei manchmal aber auch schmerzlichen Erkenntnisprozesses, der nur gelingen kann, wenn die analytische Situation von einer Atmosphäre der Toleranz für das unannehmbar Erscheinende geprägt ist. Wissen zu wollen und dabei der Wahrheit verpflichtet zu sein, sind Grundhaltungen der Psychoanalyse. Diese Grundhaltung, verbunden mit einer Aufmerksamkeit des Analytikers, die nicht auf etwas Bestimmtes ausgerichtet ist, wenn er dem Patienten zuhört, wird als die gleichschwebende Aufmerksamkeit bezeichnet. Diese Einstellung des Analytikers zusammen mit seinem Angebot an den Patienten, alles mitzuteilen – dies wird als die freie Assoziation bezeichnet – sind die methodischen Bedingungen, um einen analytischen Prozess einzuleiten, in dem das Unbewusste in der analytischen Beziehung aktiviert, gedeutet und damit erkennbar werden kann.

Mittels dieser Methodik entwickelt sich ein spezifisches Beziehungserleben zwischen dem Analysanden und seinem Analytiker. Die moderne psychoanalytische Entwicklungsforschung hat gezeigt, wie die seelische Struktur, der Kern des Selbstgefühls und des Erlebens von Wirklichkeit, das identisch ist mit dem affektiven Existenzerleben, auf der Verinnerlichung früher Beziehungserfahrungen gründet. Solch frühe Beziehungsmuster werden in der psychoanalytischen Behandlung wiederbelebt. Die psychoanalytische Theorie beschreibt diese Vorgänge als Übertragung. Im Zentrum der psychoanalytischen Aufmerksamkeit stehen nicht allein abgewehrte Triebimpulse, sondern die Beziehung, wie sie sich im emotionalen Erleben in der Übertragung und der Gegenübertragung zwischen Analysand und Analytiker in der psychoanalytischen Behandlungssituation aktualisiert. Die therapeutische Interaktion, die die Erkenntnisse über die frühe Zwei-Personen-Beziehung von Mutter und Kind wie auch über Drei-Personen-Beziehungen (Vater-Mutter-Kind, Geschwister-Mutter-Kind) benutzt, wurde zu dem entscheidenden therapeutischen Instrument.


Wie lässt sich der psychoanalytische Prozess konkreter beschreiben?

Der Prozeß findet in einem Setting statt, das vom Analytiker zur Verfügung gestellt wird. Das analytische Setting setzt sich zusammen aus einem ruhigen Raum, einer Couch und einem Sessel, einer kontinuierlichen und regelmäßigen Frequenz der Sitzungen, gewöhnlich zwei bis drei, manchmal jedoch auch vier Stunden in der Woche, und einem aufmerksamen Analytiker, der zuhört, seine Gedanken und Gefühle, die in ihm wachgerufen werden, reflektiert und auf diese Weise die freien Assoziationen des Patienten zu verstehen sucht und dies dem Patienten mittels Deutungen mitteilt. Die Arbeit des Analytikers besteht darin, sowohl das Setting wie auch seine psychische Einstellung der freischwebenden Aufmerksamkeit und seine Kompetenz zur Formulierung von Deutungen über alle Wechselfälle der Analyse hinweg aufrechtzuerhalten.

Ein wichtiger Fokus dieser Arbeit stellt die stufenweise Wahrnehmung von formalen und inhaltlichen Mustern in dem Bericht, den Erzählungen und Assoziationen des Analysanden dar. So können z. B. Beziehungsmuster zu den Eltern am Ende einer Sitzung wach werden. Dann erscheint die Annahme plausibel, daß einer der Konflikte die Trennung von den Elternfiguren betrifft, der sich in der Übertragung darstellt und dem Patienten gedeutet wird. Der Analytiker wird beobachten, in welcher Weise der Patient auf die Deutungen reagiert. Wird der Patient diese akzeptieren und darüber nachdenken? Wird der Patient zustimmen, aber sich einem anderen Thema zuwenden oder aber die Deutung ablehnen? Wird der Patient ärgerlich oder launisch reagieren usw., oder fühlt er sich durch die Deutung angegriffen? Hinter diesen unterschiedlichen Reaktionstypen werden weitere Verhaltensmuster erkennbar, so daß allmählich ein dynamisches Gerüst der geistigen Funktionsweise und seiner unbewussten Phantasien entsteht, das sich rund um die komplexe Übertragungs- und Gegenübertragungsbeziehung entwickelt.

Mit diesen komplexen Reaktionsweisen sucht der Patient zu vermeiden, dass Angst auslösende, schmerzliche und verwirrende Gedanken, Impulse und Gefühle aufsteigen. Sie variieren von subtilen Abwehrmanövern, die den Analytiker in die Irre zu leiten suchen bis hin zu groben Versuchen – insbesondere durch ein Agieren –, die Fähigkeit des Analytikers zum Denken zu unterminieren. Das kann die Analyse in Frage stellen. Unter diesen Umständen besteht die zentrale Aufgabe der Arbeit des Analytikers darin, die Intensität der in ihm ausgelösten Gefühle in sich zu bewahren und wahrzunehmen, um auf diese Weise zu versuchen, die Dynamik der aktuellen Situation verstehen und deuten zu können. Für den Analytiker besteht die Gefahr, dass er von den Projektionen und Manipulationen des Patienten überwältigt wird, so daß er nur noch reagiert, anstatt zu bewahren und zu reflektieren. Der immense emotionale Druck kann für den Analytiker extrem belastend sein, insbesondere wenn die Unterbrechungen zwischen den Sitzungen mit Angst und Sorge um den Patienten und die Analyse aufgefüllt werden. Das Klischee von dem unbeeinflussbaren und unberührten Analytiker hat kaum etwas mit der Wirklichkeit psychoanalytischen Arbeitens zu tun.

Ebenso ist es ein Klischee, dass es in psychoanalytischer Therapie ausschließlich um Deuten und Interpretieren gehe, während wirkliche Veränderung z.B. nur durch Verhaltenstherapie möglich sei. Tatsächlich kann auch in der psychoanalytischen Behandlung ein Erfolg nur erzielt werden, wenn der Patient oder Analysand, nachdem er seine unbewussten Motive besser verstanden hat, konkrete Verhaltensänderungen folgen lässt. Psychoanalyse verzichtet aber im Gegensatz zu anderen Therapieformen auf Manipulation und ein "Pädagogisieren" im schlechten Sinne. Statt dessen setzt Psychoanalyse auf die vernünftige Fähigkeit von Menschen, aus Einsichten, die sie gewonnen haben, Konsequenzen zu ziehen. Sigmund Freud nannte diesen Prozess das Durcharbeiten, und er machte bereits Jahrzehnte vor der Entwicklung der Verhaltenstherapie (1919) unmissverständlich klar, dass es ohne konkrete Verhaltensänderung nicht geht: "Nehmen Sie das Beispiel eines Agoraphoben; es gibt zwei Klassen von solchen, eine leichtere und eine schwerere. Die ersteren haben zwar jedesmal unter der Angst zu leiden, wenn sie allein auf der Straße gehen, aber sie haben darum das Alleingehen noch nicht aufgegeben; die Anderen schützen sich vor der Angst, in dem sie auf das Alleingehen verzichten. Bei diesen letzteren hat man nur Erfolg, wenn man sie durch den Einfluss der Analyse bewegen kann, sich wieder wie Phobiker des ersten Grades zu benehmen, also auf die Straße zu gehen und während dieses Versuches mit der Angst zu kämpfen. […] Noch weniger angezeigt scheint ein passives Zuwarten bei den schweren Fällen von Zwangshandlungen …"

Das Bild des einsamen Analytikers in seinem Elfenbeinturm ist ein weiteres Klischee. Denn die Arbeit des Analytikers betrifft auch Bereiche außerhalb seiner Praxis. Freud war es, der 1919 die Empfehlung gab, dass der Analytiker Wege finden müsse, um seine Fähigkeiten auch denen zukommen zu lassen, die sich keine Psychoanalyse leisten können. Dies führte zur Entwicklung unterschiedlicher Techniken, welche ursprünglich von der analytischen Technik und deren Erkenntnissen abstammen. Psychoanalytiker waren die Vorreiter dieser Entwicklungen, so der Entwicklung verschiedener Formen der Einzeltherapie, der Gruppenanalyse und Gruppentherapie, der Balintgruppen für Ärzte und verschiedener Beratungsformen. Psychoanalyse ist heute die Grundlage einer Vielzahl neuer Theorien und Techniken, mit denen sich die Kreativität sowie die Lebendigkeit der Psychoanalyse immer wieder neu erweist.




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